Siedlungsanfänge

Die früheste Urkunde berichtet, dass im 9. Jahrhundert von Mehrheim aus, das damals schon lange Zeit bestand, in unserer Gegend der Wald gerodet wurde. Ein so genannter Herrenhof wurde hier gebaut. Er gehörte in den ersten Jahren von 855-877 dem Grafen Gieselbert I. vom Maasgau, einem Schwiegersohn Kaiser Lothar I. Dieser Hof hieß zur damaligen Zeit „Saalhof“. Wie dieser Hof aussah ist uns leider nicht überliefert worden. Auch sind keine Reste erhalten geblieben, weil die damaligen Baustoffe Holz und Lehm schneller verfielen als Stein. Wir können uns den Hof nur so vorstellen, wie uns Nachbauten einen Herren- und Königshof aus jener Zeit zeigen. Zu solch einem Hof gehörten Herren- und Gesindehaus, Ställe und Scheunen, Vorrats- und Geräteschuppen und ein Garten. Zum Schutz des gesamten Anwesens wurden ringsum Wälle mit Palisadenzäunen und Wassergräben angelegt. Die Wassergräben wurden vom Saaler Mühlbach gespeist, der jetzt noch durch den nahen Wald fließt. Zu diesen üblichen Hofgebäuden gehörten außerdem eine Mühle und eine Kirche. Beide finden wir auch beim Saalhof. Die Saalermühle ist den meisten in Kippekausen noch ein Begriff, und die alte romanische Kirche in Refrath, bekannt als „Taufkirche“, ist uns als einziger dieser drei Bauten erhalten geblieben. Ihre Anfänge reichen in die Gründungszeit des Saalhofes zurück.

Ausgrabungen zufolge stand dieser Hof dort, wo heute der Burgplatz ist. Hier war früher ein sumpfiges Waldgelände, wie wir es zwischen Bensberg und Kippekausen stellenweise heute noch vorfinden. Erhöht auf einer Sanddüne lag der Hof im Schutz des Sumpfes. Man baute im Mittelalter gerne auf trockenen Stellen im Sumpf, weil er Schutz vor Feinden und wilden Tieren gab. Der Wolf lebte in unserer Gegend bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts (s. Wolfsmaar in Refrath, Maar bedeutet Sumpf). Auf die Dauer bot die sumpfige Umgebung allein dem Saalhof keinen ausreichenden Schutz. Aus diesem Grund erhielt der Hof in den Jahren 944-947 eine Befestigungsanlage, eine so genannte „Hochmotte“.

Die Hochmotte

Der Ausdruck stammt von dem lateinischen Wort mota (französisch: la motte) und bezeichnet einen künstlich aufgeschütteten Hügel. Auf solch einen Hügel baute man einen Wehrturm aus Holz oder Stein, der später auch bewohnt werden konnte. Aus der Motte und dem Wohnturm hat sich in den anschließenden Jahrhunderten die Burg entwickelt.

Ein Vorläufer dieser Burgen hat also auch hier am Saalhof gestanden. Leider bringen die Urkunden keine Darstellung dieser Motte. Da sie aber aus Stein gebaut war, ist ihr Grundriss im Erdreich erhalten geblieben.

In Urkunden wird die Hochmotte bei Saalhof 1404 als „verfallen“ bezeichnet. Man nannte ihre Ruine „Kippick Husen“, worin noch das heutige Wort „kippen“, also „eingefallenes Haus“ zu erkennen ist. Aus dieser Zeit des Verfalls rührt somit erst der Name unserer Siedlung. Dass solch ein altes, verfallenes Gemäuer im Wald in alten Zeiten Anlass zu Spuk und Sage gab, ist leicht zu verstehen.

Der Kipphäuser und der Bauer (Sage)

Auf der Burg Kipphausen lebte früher ein Ritter, unter dessen Herrschaft die Untergebenen viel zu leiden hatten. Während er für sich selber das Geld verschwendete, wies er die Armen von seiner Tür und erpresste von seinen Dienern und Häuslern jeden Heller. Er trieb es so weit, dass man ihn ermordete. Sein Geist aber konnte nach seinem Tod keine Ruhe finden. Die Sage erzählt von ihm:

Vor etwa 200 Jahren kam frühmorgens ein Bauer den Weg von Bensberg über Refrath hinab, um nach Köln zu gehen. Oberhalb Brück an einer Brücke begegnete ihm ein Männlein mit totgelbem Gesicht und blutigem Halskragen. Obwohl der Wanderer das Gespenst nicht erkannte, so wurde es ihm doch gar unheimlich zumute, als das Männlein ihm mit heiserem, kaum verständlichem Gelispel sagte, dass ihm vor Deutz ein greiser Kapuzinermönch begegnen werde. Den solle er fragen, ob die Stunde seiner Erlösung noch nicht nahe sei. Gleich nach diesem Auftrage hatte sich zwischen ihm und dem Fremden eine Staubwolke erhoben. Als diese verwehte, war die Erscheinung spurlos verschwunden.

Der Bauer dachte über diese sonderbare Begegnung nach und war vor Deutz angelangt. Dort begegnete ihm der alte Mönch wirklich. Als er demselben die Bitte des Fremden vortrug, antwortete der Kapuziner, er solle dem alten Kipphäuser ausrichten, dass er weiterhin als Geist umherirren müsste. Dies schien aber dem ängstlichen Bauern gefährlich und er äußerte, einen Umweg machen zu wollen, damit er dem Verbannten nicht wieder begegne. Der Mönch warnte ihn, dass er nicht ohne großen Schaden die Bitte des Unholden abschlagen dürfe und die Antwort überbringen müsse. Aber er solle, wo immer er ihm auch begegnen möchte, erst hinter der bezeichneten Brücke mit der Rede herausrücken. Jenseits des Baches habe das Gespenst keine Macht zu schaden.

Als der Bauer seine Geschäfte in der Stadt verrichtet hatte und auf dem Rückwege ängstlich um sich schauend sich der Lustheide näherte, stand schon diesseits des Baches die gefürchtete Gestalt und fragte ihn in ängstlicher Eile, was denn der Mönch gesagt habe. Der erschrockene Bauer aber tat, als wenn er nicht gehört hätte, und eilte über die nahe Brücke. Dort vertrat ihm der Mann wieder den Weg und wiederholte in einem fort die Frage: „Was hat er gesagt? Was hat er gesagt?“ Kaum aber hatte ihm der Bauer die Antwort gegeben, dass er weiterhin auf keine Erlösung hoffen könne, da rollte die Figur des Kipphäusers zu einem Knäuel zusammen und stob mit einem lauten Knall als Staubwolke auseinander. Über den Wald hin aber flog ein unheimliches Wehgeschrei, das dem Bauern noch tagelang in den Ohren gellte.

(aus: Gemeinschaftsgrundschule Kippekausen: Festschrift zur Eröffnung unserer Schule, 1973 und nach: J. Bendel: Heimatbuch des Landkreises Mühlheim am Rhein)